Mit "Small World" ist Martin Suter ein Thriller der Extraklasse gelungen, in dem sich aus der Alzheimererkrankung eines älteren Mannes und der damit einhergehenden Wesensveränderung eine fesselnde Kriminalgeschichte entwickelt.
Als Hausverwalter für die reiche und etablierte Familie Koch führt Konrad Lang auf Kreta ein angenehmes und beschauliches Leben. Das ändert sich jedoch, als er durch eine Alzheimererkrankung immer mehr Probleme in seiner alltäglichen Routine bekommt, die Villa abbrennt und Konrad sich an keine Einzelheiten mehr erinnern kann.
Die Diagnose ist klar und für jedes weitere Stück, das sich der Protagonist aus der Gegenwart verabschieden muss, taucht er tiefer ein in die Welt der Erinnerung an seine frühe Kindheit. Dieser Umstand, nämlich die unbedachten Äußerungen Konrads über sein Aufwachsen, veranlasst allerdings Elvira Senn - unumstrittene Senior-Herrscherin in der Dynastie der Koch-Familie - den Alterskranken als Pflegefall in ihrem Anwesen aufzunehmen. Dass dies kein Akt der Nächstenliebe ist, sondern eher Kalkül und reine Vorsicht, wird schnell klar, denn Elvira und die Kochs haben ein düsteres Geheimnis, das nach und nach ans Licht kommt: Es hängt zusammen mit der engen Freundschaft zwischen Konrad Lang und Elvira Senns Sohn Thomas Lang. Die beiden Männer sind gemeinsam aufgewachsen und haben von kleinauf eine tiefe Verbundenheit füreinander empfunden. Konrad Langs Alzheimerkrankheit bringt eine mörderische Vergangenheit ans Tageslicht...
"Small World" ist eine von Anfang an spannende Kriminalgeschichte, die sprachlich auf einem hohen Level angesiedelt ist. Ohne Sentimentalitäten wird der Leser über das - fundiert recherchierte - Krankheitsbild von Alzheimer informiert, das den Protagonisten Konrad Lang plagt. Gleichzeitig ist der Roman des Schweizers Suter auch eine Familientragödie und ein Gesellschaftsanalyse, die sich bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein erstreckt. Suters Debütroman garantiert spannungsgeladene Stunden, die der Autor mit seinem feinsinnigen Humor versüßt. Nicht umsonst erhält Suter für dieses Erstlingswerk den französischen Literaturpreis "Prix du premier roman ?tranger".
